Verein der Techniker e.V. Unser Partner:
GEK
 

Rede

des Parlamentarischen Staatssekretärs Rezzo Schlauch

beim Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit

anlässlich

 

der Freischaltung der Internet-Kommunikationsplattform

des Vereins der Techniker e. V.

am 13. Oktober 2003

in Stuttgart

 

Es gilt das gesprochene Wort!

 

 

 I. Einleitung

 

Sehr geehrter Herr Schühly,

sehr geehrter Herr Schöck,

sehr geehrter Herr Dinkelacker,

sehr geehrte Damen und Herren,

 

ich freue mich über die Gelegenheit, anlässlich der Schirmherrschaft unseres

Hauses mir heute persönlich einen Eindruck von Ihrer neuen

Kommunikationsplattform machen zu können, und darf Ihnen zunächst die

Grüße und besten Wünsche zum Start Ihres Projektes von

Bundeswirtschaftsminister Clement überbringen.ch freue mich nicht nur

deshalb, weil die heutige Freischaltung hier in meiner schwäbischen Heimat

erfolgt.

Sondern vor allem, weil auch Ihr Schwer-punktthema

"Existenzgründungsberatung" zentrale Bedeutung für mich als

Mittelstandsbeauftragten der Bundesregierung hat.

Denn Ziel unserer Politik ist es ja gerade, Existenzgründern und existierenden

mittelstän-dischen Unternehmen durch unsere Mittelstandsoffensive neue

Impulse zu verleihen.

Die rd. 800.000 staatlich geprüften Techniker machen bereits einen wichtigen

Bestandteil des Mittelstandes aus. Und mit den rd. 75.000 Absolventen Ihrer

Technikerschulen bieten Sie zugleich ein wichtiges Potenzial für weitere

Existenzgründungen.

Auch in qualitativer Hinsicht übrigens.

 

Denn: Anerkanntermaßen steht die Technikerausbildung für hohe

Qualifikation.

Wir erkennen dies u. a. auch durch die Förderfähigkeit im Rahmen der

Aufstiegsfortbildungsförderung an.

 

II. Handwerksrecht

 

Meine Damen und Herren,

ich vermeide an dieser Stelle bewusst den populistischen Ausdruck "Meister-

BAFöG".

Denn schließlich stehen ja gerade Techniker in vielen Märkten in Konkurrenz

mit selbständi-gen Handwerksmeistern. Eine allzu restriktive Praxis der

Handwerkskammern bei der Anerkennung der Technikerqualifikation ist noch

häufig zu beklagen.

Zwar haben bereits die "Leipziger-Beschlüsse" zum Handwerksrecht den

Technikern den Zugang zu Handwerksmärkten etwas erleichtert.

Allerdings müssen wir mit der Liberalisierung des Handwerksrechts noch weiter

gehen und genau dies hat die Bundesregierung mit der geplanten

Handwerksnovelle vor.

65 der derzeit 94 Handwerke werden zukünftig ohne Zulassungsbeschränkung

ausgeübt werden können.  In diesen Handwerken bleibt der Meisterbrief

weiterhin als freiwillig zu erlangendes Qualitätssiegel erhalten, das von den

Kunden am Markt sicherlich auch honoriert werden wird. Gleichzeitig aber

erleichtern wir den Marktzutritt in den nicht-

 

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gefahrgeneigten Gewerken und schaffen mehr Spielraum für

Existenzgründungen und Beschäftigung. Die Handwerksrechtsnovelle ist somit

im wohlverstandenen Sinne unserer gesamten Volkswirtschaft, einschließlich

des Handwerks! Auch für Techniker wird es entscheidende Erleichterungen

geben: 

Ihr Abschluss wird wie bei Hochschulabsolventen und Ingenieuren künftig als

mit der Meisterprüfung gleichwertig anerkannt. Auch brauchen zukünftig keine

Gesellenprüfungen oder berufspraktische Zeiten mehr nachgewiesen zu

werden. Voraussetzung ist allerdings, dass die Fachrichtungen der Handwerke

und Technikerausbildungen weiterhin kongruent sind. Darüber hinaus dürfen

wir aber auch die Belange der erfahrenen Gesellen nicht vergessen. Denn

auch sie bringen die erforderliche Qualifikation für den

verantwortungsbewussten Umgang mit Technik und Material mit. Aus

Sicherheitsgründen müssen allerdings 10 Jahre Berufserfahrung, davon

mindestens 5 Jahre in herausgehobener, verantwortlicher oder leitender

Stellung nachgewiesen werden.

 

III. Mittelstandsoffensive

 

Meine Damen und Herren,

die Handwerksrechtsnovelle ist für die staatlich geprüften Techniker sicherlich

das zentrale Element unserer Mittelstandsoffensive. Darüber sollte allerdings

nicht vergessen werden, dass unsere Mittelstandsoffensive "Pro Mittelstand"

eine Reihe von weiteren Elementen enthält, die für Sie ebenfalls von großer

Bedeutung sind, insbesondere dann, wenn Sie überlegen, sich mit einem

eigenen Unterneh-men selbständig zu machen.

 

Dazu einige Beispiele:

 

1. Beispiel: Existenzgründungs- und Mittelstandsfinanzierung

 

Für den Aufbau und die erfolgreiche Entwicklung eines Unternehmens ist die

ausreichende Verfügbarkeit finanzieller Mittel von entscheidender Bedeutung.

Die Zusammenlegung von DtA und KfW zur "Mittelstandsbank des Bundes"

sorgt für transparentere und effizientere Förderstrukturen und erleichtert

Unternehmerinnen und Unternehmen den Überblick über das vorhandene

Förderangebot des Bundes. Um den Anreiz der Banken zur Durchleitung

öffentlicher Darlehen zu erhöhen, werden die Bankenmargen risikogerecht

gestaltet und Teilhaftungsfreistellungen angewendet. Die veränderte Lage am

Kapitalmarkt erfordert zudem die Ausweitung eigenkapitalähnlichen Kapitals.

Die KfW-Mittelstandsbank entwickelte in Abstimmung mit meinem Hause z. Z.

 eine neue Produktlinie "Nachrangkapital", die aus 3 Säulen bestehen und

bereits ab Januar 2004 angeboten werden soll. Neben das bekannte und für

Existenzgründer besonderes wichtige ERP – Eigenkapitalhilfe programm, das

mit Modifikationen fortgeführt wird, soll als 2. und gänzlich neue Säule für

kleine und mittlere Unternehmen mit einem Unternehmensalter von 3 bis 5

Jahren ebenfalls ein Mezzanine-Produkt ange-boten werden. Gedacht wird

ferner als 3. Säule an Mezzanine-Kapital für etablierte mittelständische

Unternehmen.

Damit wird ein Angebot an eigenkapitalähnlichen Mitteln entwickelt, das

erstmalig über die reine Gründungsfinanzierung hinausgeht!

 

2. Beispiel: Technologieförderung

 

Auch in den Schlüsselbereichen Technologietransfer und Forschung und

Entwicklung ver-leihen wir dem Mittelstand mit einer neuen Initiative

zusätzlichen Schwung.

Unserer Initiative setzt bei den für mittelständische Techniker relevanten

Schwerpunkten an.

Zum einen werden wir die Vernetzung der Unternehmen mit

Forschungseinrichtungen weiter ausbauen. Zum anderen gilt es, die

Frühphasen- und Anschlussfinanzierung junger Technologieunternehmen zu

sichern. Schließlich werden wir den Technologietransfer in Handel und

Mittelstand weiterhin unterstützen.

 

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3. Beispiel: Bürokratieabbau

 

Lassen Sie mich aus der Fülle von Themen noch ein weiteres herausgreifen,

dass für mit-telständische Unternehmen besonders relevant ist, die Frage der

bürokratischen Belastungen. Das Bundeskabinett hat vor 3 Monaten das

Strategiekonzept "Initiative Bürokratieabbau" verabschiedet, das die Weichen

für einen umfassenden Bürokratieabbau in Deutschland stellt. Seit Anfang

diesen Jahren wurden bereits mehr als 50 konkrete Projekte zum

Bürokratieabbau auf den Weg gebracht, acht allein aus meinem Haus.

Beispiel: Vergaberecht, das bislang außerordentlich umfangreich, bürokratisch

und in-transparent ist. Aus bisherigen vier Regelwerken wollen wir eine

Verordnung machen, in der wir die unbe-dingt erforderlichen

Vergabevorschriften zu-sammen fassen. Dies bedeutet eine Reduzierung des

Gesamtumfangs der Regeln um etwa zwei Drittel und zugleich eine bessere

Verständlichkeit für die Anwender.  Beispiel Arbeitsstättenverordnung:

 

Das Bundeskabinett hat im September die Modernisierung der

Arbeitsstättenverordnung mit einer wesentlichen Rückführung überflüssiger

Paragraphen beschlossen. Damit wird Schluss gemacht mit Vorschriften, die

selbst die Höhe der Handtuchhalter oder aus die Ausführung von

Abfallbehältern gesetzlich regeln!

 

IV. Steuerreform

 

Meine Damen und Herren,

die selbständig tätigen staatlich geprüften Techniker haben es stets

verstanden, sich den Erfordernissen des Marktes mit großer

unternehmerischer Initiative anzupassen.

Die Bundesregierung schafft für diese unternehmerische Initiative günstige

Rahmenbedin-gungen. Bereits in der letzten Legislaturperiode haben wir mit

der Steuer- und Rentenstrukturreform Unternehmen entlastet. Durch das

jetzige Vorziehen der 3. Stufe der Steuerreform auf 2004 entlasten wir

Wirtschaft und Bürger kurzfristig um insgesamt rd. 21,7 Mrd. €. Davon

entfallen allein rd. 6 Mrd. € auf den Mittelstand.

 

Damit erhöhen wir den Spielraum der Unternehmen für mehr

Wachstum und mehr Be-schäftigung. Die schwierige

wirtschaftliche Situation und ständig steigende

Lohnnebenkosten dulden keinen Aufschub weiterer

Strukturanpassungen.

 

V. Arbeitsmarkt

 

Meine Damen und Herren,

 

wenn ich schon bei der Agenda 2010 bin, erlauben Sie mit abschließend noch

ein paar Worte zur Modernisierung des Arbeitsmarktes. Dieses Thema steht,

wie Sie vielleicht wissen, diese Woche auf dem Programm des Deutschen

Bundestages.

Nur durch Anpassungen bei Arbeitsrecht und Arbeitsförderung kann die immer

wieder geforderte Flexibilität des Arbeitsmarktes in ausreichendem Maße

erhöht werden.

Und nur damit erhalten wir die notwendigen Impulse für mehr Wachstum und

Beschäftigung und zum Abbau der viel zu hohen Arbeitslosigkeit. In der

Arbeitsmarktpolitik haben wir bereits mit dem Ersten und Zweiten Gesetz für

moderne Dienstleistungen am Arbeitmarkt wichtige Schritte unternommen.

Wir werden den Reformkurs zur Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit

konsequent fortsetzen. Dies beinhaltet die zügige Umsetzung der

ausstehenden Teile des Hartz-Pakets. Bis zum Jahresbeginn 2004 wird die

Umstruk-turierung der BA abgeschlossen. Zudem werden

Arbeitslosenversicherung und Arbeitsförderung vereinfacht und

entbürokratisiert. Damit wird die Effizienz der Vermittlung erhöht und zum

Abbau der Arbeitslosigkeit beigetragen. Ein weiteres Kernelement ist die

Zusammenlegung der Arbeitslosen- mit der Sozialhilfe für Erwerbsfähige.

 

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Mit dieser Systemumstellung verbessern wir die Chancen auf

Wiedereingliederung in das Erwerbsleben. Leistungen zur Eingliederung haben

daher den Vorrang vor Leistungen zur Unterhaltssicherung, die sich auf der

Höhe der Sozialhilfe bewegen werden.

Wir werden einerseits materielle Anreize zur Aufnahme einer Tätigkeit für die

Leistungs-empfänger vorsehen. Andererseits werden wir Sanktionen durch

Leistungskürzung bei Ablehnung einer zumutbaren Tätigkeit vorsehen. Um

Fehlentwicklungen entgegenzuwirken, ist auch eine Kürzung der Bezugsdauer

des Arbeitslosengeldes auf i. d. R. 12 bis max. 18 Monate unumgänglich. Die

bisherigen Regelungen führten oft zu Förderketten in den frühzeitigen

Ruhestand. Zur Senkung der Lohnnebenkosten und aus

arbeitsmarktpolitischen Gründen muss jetzt der Verbleib bzw. die

Wiedereingliederung älterer Arbeitnehmer den Vorrang erhalten. Wir werden

zudem weitere Reformen in den Bereichen des Arbeits- und Sozialrechts

umsetzen, in denen sich Beschäftigungshemmnisse eingestellt haben.

Dabei werden wir auch moderate Änderungen beim Kündigungsschutz ohne

"Hire and Fire" vornehmen. Zusätzlich befristet eingestellte Arbeitnehmer

sollen zumindest z. T. nicht mehr auf den Schwellenwert angerechnet werden.

Arbeitnehmer sollen zukünftig bei betriebsbe-dingter Kündigung die Wahl

zwischen einer gesetzlich definierten Abfindung und einer Klage auf

Weiterbeschäftigung haben. Damit wird das Arbeitsrecht realitätsnäher und

vor allem rechtssicherer. Um den Unternehmen die Sozialauswahl zu

erleichtern, reduzieren wir die Kriterien auf Lebensalter,

Betriebszugehörigkeitsdauer und Unterhaltspflichten der Arbeitnehmer. Wir

wollen es ermöglichen, Leistungsträger zukünftig von der Sozialwahl

auszunehmen. Damit wird es den Betrieben erleichtert, sie in wirtschaftliche

schwierigen Zeiten zu halten.

 

VI. Schluss

 

Meine Damen und Herren,

die Bundesregierung hat mit der Agenda 2010 die umfassendsten Reformen

in der Geschichte der Bundesrepublik initiiert. Gerade Techniker, die häufig

selbständig als Mittelständler tätig sind, müssen an den kostendämpfenden

Maßnahmen höchstes Interes-se haben. Die Umsetzung der Reformagenda

ist aber in vielerlei Hinsicht ziemlich schwierig.

Denn sie bedeuten für den einen oder anderen schmerzliche Einschnitte in

den Besitzstand.

Und wie sagte schon Berthold Brecht: "Ein gutes Argument wirkt wundervoll -

nur nicht auf den, der etwas hergeben soll!" Es ist aber für die

Zukunftsfähigkeit unseres Landes unabdingbar, die wesentlichen Teile der

Agenda 2010 so schnell wie möglich umzusetzen.

Ich appelliere daher an Sie, uns bei der weiteren Umsetzung unserer

Reformen nach besten Kräften zu unterstützen. Denn halten möchte ich es

mit Albert Schweitzer: "Keine Zukunft vermag gutzumachen, was du in der

Gegenwart versäumt."

 

Der Verein der Techniker zeigt mit seiner neuen Kommunikationsplattform

eindrucksvoll, dass er an dieser Zukunft schon heute arbeitet, und ich

wünsche diesem Projekt viel Erfolg und eine rege Resonanz!


 
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